Gegen alle Widerstände

Aaron Hirst durfte zu Beginn seiner Grundschulzeit keinen Sport treiben – und legte dennoch einen beeindruckenden Weg hin, der ihn 2023 zu den BG Baskets Hamburg führte, wie in der aktuellen HSVlive beleuchtet wird.

Als der junge Aaron Hirst eines Tages im Computerraum seiner Grundschule saß, hätte er wohl kaum vermutet, dass er gleich einen Mann treffen würde, der sein Leben nachhaltig verändern würde. Steve Greatorex arbeitete für einen Sportverein für Menschen mit Behinderung und war eigentlich aus einem anderen Grund in Aarons Schule gekommen, doch zufällig begegneten sich die beiden. Und sie unterhielten sich.

„Ich habe eine seltene Knochenerkrankung, die dafür sorgt, dass die Knochen in meiner linken Körperhälfte spröde sind“, erzählt der Brite, dem deshalb in seiner Schule immer gesagt wurde: „Wenn du Sport machst, bist du eine Gefahr für dich selbst.“ Steve Greatorex sah das anders. Er legte Aaron den örtlichen Multisportverein Wakefield Whirlwinds im Norden Englands nahe, wo sich der Grundschüler in allerlei Disziplinen ausprobierte: Schwimmen, Speerwurf, Rugby – die Liste ist lang. Doch eine Sportart blieb besonders hängen: Rollstuhlbasketball.

„Ich habe immer trainiert und wollte mich von nichts aufhalten lassen“, erinnert sich der heute 27-Jährige, der bis zu seinem 18. Lebensjahr 35-mal operiert wurde, kurz nach der Volljährigkeit wurde sein linkes Bein amputiert. Doch auch, wenn wieder neue Schrauben seinen Körper stabilisieren und er sich laut seinen Ärzten schonen sollte – Aaron zog es auf den Platz.

Und das zahlte sich aus: Mit seinem Jugendverein Wakefield Whirlwinds, den der Brite zwischendurch für einige Jahre verließ, gelang ihm als Spielertrainer nach aufregenden Jahren des sportlichen Erfolgs der Aufstieg in die Premier League. Als Coach an seiner Seite: Steve Greatorex. „Vom Jungen, dem beim Sport gesagt wurde, er sei eine Gefahr für sich selbst, zum Spielertrainer auf höchstem nationalem Niveau zu reifen, ist eine Reise, für die ich unfassbar dankbar bin“, sagt der Brite.

Ein Weg, auf den auch die BG Baskets Hamburg aufmerksam wurden. Vor rund anderthalb Jahren bekam Aaron eine Nachricht von seinem Landsmann und Weggefährten aus Jugendzeiten Kallum Stafford, der bereits beim HSV-Rollstuhlbasketballteam spielte und seinen Freund fragte, ob er sich nicht mal die Gegebenheiten in Hamburg anschauen wolle. Aaron wollte – und er blieb. „Ich liebe die Stadt und den Verein“, schwärmt der 27-Jährige von seiner Zeit in Hamburg, die direkt in seiner Premierensaison mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga gekrönt wurde.

In dieser Zeit hat es der Brite schnell geschafft, sich in neuer Umgebung zu akklimatisieren. „Aaron hat eine ruhige und respektvolle Persönlichkeit und gibt immer 100 Prozent“, sagt sein Trainer Alireza Ahmadi. Der Iraner, der in seiner aktiven Karriere lange auf dem höchsten Level spielte, war auch ein Grund für den Wechsel in die Hansestadt: „Ali als Coach zu haben, ist eine große Ehre. Ich habe immer zu ihm aufgeschaut“, erklärt der passionierte Sportler, der abseits des Liga-Alltags in weiterer Funktion für die BG Baskets tätig ist und bei den „Aurubis Inklusionstagen“ als Referent Schülerinnen und Schülern aus der Region das Leben im Rollstuhl allgemein und seine Sportart im Speziellen näherbringt.

„Es ist fantastisch, meine Geschichte teilen zu können und jungen Menschen etwas beibringen zu können“, sagt Aaron. „Die Freude in den Gesichtern der Kinder zu sehen, ist unbezahlbar.“ Klar ist auch: Solange Aaron Hirst in Hamburg bleibt, wird er mit seiner offenen und zugleich höflich zurückhaltenden Art noch so einigen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.